Vergleich von Etiketten zwei Flaschen natives Olivenöl extra mit Angaben zur Qualität

Warum viele Olivenöl-Etiketten wenig über die tatsächliche Qualität verraten

Mehr als sieben Jahre in Deutschland und mehr als acht Jahre in der Schweiz – und insgesamt sechs Umzüge.
Aus dem Süden Spaniens stammend, bin ich mit nativem Olivenöl extra aufgewachsen: Bei uns zu Hause kam es ganz selbstverständlich auf den Tisch. Noch heute höre ich meine Großmutter sagen: „Das Öl: aus Oliven und immer nativ extra.“

Und so habe ich auch an jedem neuen Wohnort als Erstes nach einem guten nativen Olivenöl extra gesucht. Denn für mich war es immer ein fester Bestandteil meiner Küche und meiner Ernährung. Trotzdem musste ich feststellen: Ein wirklich gutes Olivenöl zu finden, war – und ist – nicht immer einfach.

Im Supermarkt sehen wir häufig Flaschen mit romantischen Bildern von Olivenhainen, italienisch oder spanisch klingenden Namen und Begriffen wie „Premium“, „Gourmet“ oder „Selection“. Dazu kommen oft Verweise auf beliebte Urlaubsregionen wie Andalusien, die Toskana oder das Mittelmeer.

Wenn man genauer darüber nachdenkt, vermitteln all diese Elemente vor allem eines: Emotionen.

Marketing: hervorragend.
Informationen, die uns bei der Kaufentscheidung wirklich helfen: oft eher wenig.

Verschiedene Flaschen natives Olivenöl extra mit unterschiedlichen Etiketten im Supermarkt

Wie können wir also erkennen, ob das Olivenöl, das wir kaufen, tatsächlich von guter Qualität ist?

Das Wichtigste zuerst: die Kategorie

„Natives Olivenöl extra“

Und zwar nicht nur, weil Großmütter bekanntlich oft recht haben.

In der Europäischen Union ist „Natives Olivenöl extra“ eine gesetzlich definierte Kategorie. Sie steht dafür, dass das Öl direkt aus Oliven gewonnen und ausschließlich mit mechanischen Verfahren hergestellt wurde und dass es die für diese Kategorie vorgeschriebenen chemischen und sensorischen Anforderungen erfüllt.

Der erste Filter
Natives Olivenöl extra
Gesetzlich definierte Kategorie

Original-Etiketten für erstklassige native Olivenöle extra

Wenn wir ein wirklich hochwertiges Olivenöl suchen, ist „Natives Olivenöl extra“ also die Grundvoraussetzung.

Aber eben nicht das einzige Kriterium. Denn auch innerhalb dieser Kategorie gibt es deutliche Qualitätsunterschiede.

Zur Einordnung gibt es außerdem die Kategorie „Natives Olivenöl“. Auch dieses Öl wird direkt aus Oliven und mit mechanischen Verfahren gewonnen, darf aber bestimmte sensorische Fehler aufweisen.

Und dann gibt es schlicht „Olivenöl“. Dabei handelt es sich um eine Mischung aus raffiniertem Olivenöl und nativem Olivenöl. Das Öl wurde also zunächst raffiniert und anschließend mit einem Anteil nativen Olivenöls versetzt.

Die Bezeichnung auf der Vorderseite der Flasche ist deshalb ein guter erster Filter – aber sie erzählt noch lange nicht die ganze Geschichte.

Was wichtig aussieht, aber wenig über die Qualität aussagt

Die Marketingstrategien von Herstellern sind kreativ – und manchmal ziemlich geschickt.

Deshalb lohnt es sich, zwischen Begriffen zu unterscheiden, die Emotionen auslösen, und Informationen, die uns tatsächlich etwas über das Produkt verraten.

Wer hat nicht schon Begriffe wie

  • „Premium“
  • „Tradition“
  • „Gourmet“
  • „Selection“
  • „Authentic“

auf einer Flasche gesehen?

Sie klingen gut und vermitteln den Eindruck von etwas Besonderem. Aber allein diese Begriffe sagen uns nichts Verlässliches über die tatsächliche Qualität des Öls.

Infografik zu Marketingbegriffen, die nichts über die Qualität aussagen

Beim Lesen eines Etiketts sollten wir uns deshalb eine einfache Frage stellen:

Bekomme ich hier eine objektive Information – oder handelt es sich hauptsächlich um einen Werbebegriff?

Wo finden wir also die objektiven Informationen?

Was auf dem Etikett stehen sollte

Für natives Olivenöl extra und natives Olivenöl schreibt die EU grundsätzlich eine Ursprungsangabe vor. Wenn das Öl aus Oliven gewonnen wurde, die aus einem anderen Land stammen als dem Land, in dem die Extraktion stattfindet, muss auch dieser Umstand entsprechend angegeben werden.

Allerdings erlaubt die Kennzeichnung bestimmte zusammengefasste Angaben. So kann zum Beispiel auf einer Flasche stehen:

  • „Mischung von Olivenölen aus der Europäischen Union“
  • „Mischung von Olivenölen aus Nicht-EU-Ländern“
  • „Mischung von Olivenölen aus der EU und Nicht-EU-Ländern“

Für uns als Verbraucher ist eine klare Herkunftsangabe deshalb vor allem eines: eine wichtige Information über die Herkunft und Rückverfolgbarkeit des Öls.

Olivenöl-Etikett, auf dem die Herkunft deutlich angegeben ist

Viele Produzenten hochwertiger nativer Olivenöle extra gehen dabei freiwillig noch einen Schritt weiter und geben zusätzliche Informationen an: zum Beispiel über die genaue Region, die Ölmühle, die verwendete Olivensorte oder die Herstellung.

Je genauer diese Angaben sind, desto besser lässt sich nachvollziehen, woher das Öl kommt und wie es entstanden ist.

Informationen, die wichtig sein können – aber nicht immer auf dem Etikett stehen

Jetzt wird es interessant.

Denn es gibt Angaben, die für die Beurteilung eines Olivenöls sehr hilfreich sein können, aber nicht verpflichtend auf jeder Flasche stehen.

Erntejahr

Das Erntejahr muss in der EU derzeit nicht verpflichtend auf dem Etikett angegeben werden.

Aber warum ist diese Information überhaupt wichtig?

Weil sie uns einen Hinweis auf die Frische des Öls gibt.

Olivenöl ist kein Wein, der mit zunehmendem Alter besser wird. Mit der Zeit verändert es sich und verliert nach und nach bestimmte wertvolle Inhaltsstoffe und sensorische Eigenschaften.

Wenn kein Erntejahr angegeben ist, bedeutet das deshalb nicht automatisch, dass das Öl schlecht ist. Es bedeutet lediglich, dass uns eine wichtige Information fehlt.

Und noch etwas ist wichtig:

Erntejahr und Mindesthaltbarkeitsdatum sind nicht dasselbe.

Etikett eines nativen Olivenöls extra mit Angabe des Erntejahres und des Verfallsdatums

Das Mindesthaltbarkeitsdatum gibt an, bis wann das Produkt unter den angegebenen Lagerbedingungen seine spezifischen Eigenschaften voraussichtlich behält.

Das Erntejahr sagt uns dagegen, wann die Oliven geerntet wurden, aus denen das Öl hergestellt wurde.

Die Olivensorte

Auch die Angabe der Olivensorte kann interessant sein.

Denn die Sorte beeinflusst unter anderem die chemische Zusammensetzung des Öls, sein phenolisches Profil sowie Aroma, Bitterkeit, Schärfe und Stabilität.

Das kann uns helfen, ein Öl besser einzuordnen und beispielsweise gezielter nach einem bestimmten sensorischen Profil für die Küche zu suchen.

Grün geerntete Oliven

Aber Vorsicht: Es gibt keine Olivensorte, die automatisch das „beste“ Olivenöl liefert.

Auch hier gilt:

Je mehr nachvollziehbare Informationen wir haben, desto besser können wir unsere Kaufentscheidung treffen.

Wer steckt hinter dem Öl?

Auf dem Etikett muss unter anderem angegeben werden, welches Unternehmen für das Produkt verantwortlich ist beziehungsweise es in Verkehr bringt.

Aber auch hier lohnt sich ein genauerer Blick.

Denn zu wissen, wer das Öl vermarktet, sagt noch nicht viel darüber aus, wie es hergestellt wurde.

Interessanter wird es, wenn wir nachvollziehen können:

  • Wer hat die Oliven produziert?
  • Wo wurden sie verarbeitet?
  • Wo befindet sich die Ölmühle?
  • Wo wurde das Öl abgefüllt?
  • Sind Produzent und Abfüller dasselbe Unternehmen?

Je klarer diese Informationen sind, desto besser können wir die Herkunft und Rückverfolgbarkeit des Öls nachvollziehen.

„Kalt extrahiert“ oder „erste Kaltpressung“?

Vielleicht sind dir auf Olivenölflaschen schon Begriffe begegnet wie:

  • „Kalt extrahiert“
  • „Kaltextraktion“
  • „erste Kaltpressung“
  • „first cold pressed“

Was bedeuten sie eigentlich?

„Kalt extrahiert“ und „erste Kaltpressung“ sind in der EU rechtlich geregelte Begriffe. Sie dürfen unter bestimmten Voraussetzungen verwendet werden, wenn die Extraktion beziehungsweise Pressung bei einer Temperatur von höchstens 27 °C erfolgt.

Flasche mit nativem Olivenöl extra, auf der „kaltgepresst“ steht und der Erzeuger und der Abfüller getrennt angegeben sind

Dabei gibt es einen wichtigen Unterschied:

Kalt extrahiert bedeutet, dass das Öl mithilfe moderner Verfahren – in der Regel durch Zentrifugation – aus der Olivenpaste gewonnen wird. Das ist heute das übliche Verfahren in modernen Ölmühlen.

Erste Kaltpressung bezieht sich dagegen auf die traditionelle Gewinnung mit einer Presse. Dieses Verfahren spielt in modernen Ölmühlen nur noch eine sehr geringe Rolle. Der Ausdruck kommt von der alten Öl-Herstellung. Die Oliven wurden damals mehrfach gepresst. Nur das erste Pressen gab das beste Olivenöl.

Auch die Verpackung erzählt uns etwas

Wir haben bisher über Informationen gesprochen, die auf dem Etikett stehen können.

Aber auch die Gesamtverpackung selbst ist wichtig.

Denn die Qualität eines Olivenöls endet nicht in der Ölmühle. Ein hervorragend hergestelltes Öl kann bei falscher Lagerung an Qualität verlieren.

Um es ganz einfach zu machen, kannst du dir vier Dinge merken:

H – Heat: Wärme
O – Oxygen: Sauerstoff
L – Light: Licht
A – Age: Zeit

Diese vier Faktoren können die Qualität eines Olivenöls beeinträchtigen.

Eine dunkle oder lichtgeschützte Flasche ist deshalb für hochwertiges Olivenöl eine gute Wahl.

Und auch zu Hause gilt: Das Öl sollte möglichst vor Licht und Wärme geschützt und nach dem Öffnen nicht unnötig lange aufbewahrt, sondern möglichst bald verbraucht werden.

Richtig gelagerte Flasche natives Olivenöl extra und Faktoren, die Olivenöl schädigen

Zum Schluss: Was solltest du dir wirklich merken?

Wenn du bis hierher gelesen hast: Danke.

Du hast jetzt deutlich mehr Informationen und vor allem bessere Kriterien, um ein Olivenöl zu beurteilen. Und ja – am Anfang können all diese Begriffe etwas überwältigend wirken.

Aber keine Sorge. Mit der Zeit wird vieles routiniert.

Wenn du beim nächsten Einkauf vor einer Flasche Olivenöl stehst, stell dir einfach diese Fragen:

Was ist in der Flasche?

Woher kommt es?

Wann wurden die Oliven geerntet?

Wer hat das Öl hergestellt?

Wie wurde es hergestellt und gelagert?

Je mehr dieser Fragen sich anhand nachvollziehbarer Informationen beantworten lassen, desto besser kannst du deine Kaufentscheidung treffen.

Denn ein wirklich gutes natives Olivenöl extra muss nicht laut nach Aufmerksamkeit schreien.

Es sollte vor allem transparent mit seinen Informationen umgehen.

Und wenn du beim Einkauf eine kleine Orientierungshilfe gebrauchen kannst, habe ich dafür den kostenlosen Olivenöl-Kompass erstellt.

Darin findest du die wichtigsten Kriterien übersichtlich zusammengefasst, damit du beim nächsten Kauf schneller erkennst, worauf es wirklich ankommt.

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